Das Versagen eines noch analogen Schulsystems und Ihre Verlierer!

Kommentar von Alam-Eldin Zekry

Co-Founder & CEO NERD.Schule



Schulschließungen in der Corona Zeit sind richtig, doch durch wochen-langen Unterrichtsausfall wird es klare Verlierer geben.

Das muss verhindert werden!


Die aktuelle Pandemie zwingt uns alle in ganz neuen Rollen, Home-Office, Social Distancing und Homeschooling. Bei allen drei Begriffen schwingt immer ein Thema im Hintergrund mit: Digitalisierung.

Home-Office: von zu Hause arbeiten, wenn der Job es hergibt.

Social Distancing: Netflix, Gamen, Virtual Chats.


Homeschooling: Eine digitale Plattform als Schule, wenn Sie überhaupt existiert!!!!


Diese Pandemie straft alle ab, die es versäumt haben sich mit der Digitalisierung und den dazugehörigen Medienkompetenzen auseinander zu setzen. Das wird beim Thema Homeschooling aktuell sehr deutlich. Viele Schulen mussten von heute auf morgen ihren Unterricht einstellen und sich neue Wege suchen, mit ihren Schülern zu interagieren.


Leider haben sich viele Schulen mangels verfügbarer Alternativen für einen Weg entschieden, der nachwievor sehr in der analogen Welt verhaftet ist. Über E-Mail-Verkehr, der nicht nur aus Gründen der Datensicherheit höchst fragwürdig ist, werden den Eltern Lernmaterial und Hausaufgaben zugesandt, damit die Schüler diese bearbeiten, in manchen Fällen auch per Post.


Und das ist schon das erste Problem: Nicht alle Eltern sind aus zeitlichen Gründen in der Lage mit ihren Kindern den vollumfänglichen Lernstoff durchzugehen und diesen auf Schulniveau zu lehren. Hier bleiben einige Schüler*innen auf der Strecke und müssen verpassten Stoff, den sie zu Hause nicht erarbeiten konnten, in irgendeiner Weise wieder nachholen. Dies sei nur als Beispiel erwähnt, lassen sich doch aber ohne Schwierigkeiten weitere aufzählen.

Und die Alternativen wie z.B Moodle, Anton oder Sdui sind aktuell verschiedene digitale Plattformen die Schulen und Lehrer*innen bei der Gestaltung von Unterricht und Lernstoff individuell nutzen können, diese bleiben aber weiterhin Insellösungen für Schulen und nicht die Lösung.


Denn diese digitalen Plattformen setzen auch voraus, dass Schule und Lehrer*innen eine gewisse Medienkompetenz besitzen, um mit den verschiedenen Werkzeugen auf den Plattformen umzugehen. Denn diese digitalen Plattformen bieten eine vielfältige Möglichkeit Unterricht zu gestalten, beginnend mit der Verfügbarkeit virtueller Klassenräume, bis hin zum direkten Video Chat mit dem/der Lehrer*in. Nicht alles was digital und schnell ist, ist auch gleichzeitig zielführend für Schüler*innen verschiedener Altersklassen und die Schule selbst.


Digitale Plattformen sind nur so lange gut, wie sie auch beim Schulauftrag zielführend unterstützen. Letzten Endes muss es jedoch den Schülern*innen zu Gute kommen.

Zusätzlich muss ein Umfeld geschaffen werden, in denen sich Schüler*innen und Lehrer*innen auf einer digitalen Plattform sicher bewegen können. Und natürlich muss solch eine digitale Schulplattform auch ins Verhältnis gesetzt werden – sprich in einen geeigneten finanziellen Rahmen passen. Teure IT- Projekte sind im Schulwesen zu vermeiden Sie müssen der Allgemeinheit zu Gute kommen und sollten auf den alltäglichen Bedarf der Schule, sowie den der Schüler*innen fokussiert sein.


Ein weiteres Thema sind natürlich auch datenschutzrechtliche Punkte für Schulen und Eltern, die geklärt werden müssen.


Es ist eine aktuelle Herausforderung, wenn Schulen von heute auf morgen auf einer digitalen Plattform funktionieren müssen. Das macht deutlich, dass es in der Politik sowie in der Gesellschaft noch keine soliden Konzepte gibt, die es ermöglichen, Schule für den digitalen Unterricht von morgen neu zu gestalten. Dabei ist das Thema Digitalisierung und die gleichermaßen Medienkompetenz seit Jahren in aller Munde. Bund und Länder haben hierfür Geldtöpfe zur Verfügung gestellt, um diese Themen in den Schulen voranzutreiben.

Doch angesichts der aktuellen Lage muss man sich fragen, warum diese Maßnahmen nicht gefruchtet haben. Denn Geld alleine ist nicht die Lösung, wir brauchen Konzepte, Ideen und vor allem den Mut neue Wege in der Digitalisierung zu gehen. Bund und Länder werden es nicht schaffen, alleine das Thema Digitalisierung und Medienkompetenzen in den Schulen forcieren. Dieses gelingt nur, wenn auch Eltern und Schule an einem Strang ziehen. Es bedeutet am Ende, dass es eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten ist, Medienkompetenzen und Digitalisierung in unseren Schulen zu etablieren.

Jetzt ist, mehr denn je, der Zeitpunkt gekommen einen ernsthaften Dialog über diese lang verschleppten Zukunftsthemen an den Schulen zu führen. Denn so tun, als gäbe es das Problem nicht, ist der falsche Weg.

Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Schulen mit digitalen Plattformen ausgestattet werden und eine Medienkompetenz bei Schülern*innen sowie Lehrern*innen ausgebildet wird. Denn man muss davon ausgehen, dass es in vielen Elternhäusern auch aktuell an den notwendigen Medienkompetenzen mangelt. Das bedeutet für die Schüler*innen eine Herausforderung mit Medien und digitalen Instrumenten umzugehen zu müssen und im schlimmsten Fall wegen fehlender Digitalkompetenz abgehängt zu werden. Und natürlich muss man darüber hinaus noch beachten, dass Eltern nicht jederzeit und vollumfänglich ihren Kindern beim Abarbeiten des Schulstoffes begleiten können. Und hier müssen wir sicherstellen, dass Schüler*innen in der Lage sind mit modernen Medien - angefangen vom Tablet bis hin zum Laptop - sowie auf digitalen Schulplattformen sich selbständig und vor allem mit Selbstvertrauen zurechtzufinden.


Aktuell haben Schüler*innen oftmals nicht einmal den Zugang zu einer digitalen Plattform und auch nicht die Fähigkeit diese zu bedienen. Viele Schüler*innen sind in der Pandemie die Verlierer*innen, wenn es darum geht Homeschooling erfolgreich durchzuführen. Sie werden abgehängt und sind dadurch über Wochen hinweg im Nachteil gegenüber Schülern*innen, die eine teilweise Medienkompetenz im Elternhaus vorfinden, sowie eine digitale Plattform der Schule nutzen können, auch mitunter Insellösungen von Lehrer*innen in Eigeninitiative.

Auch hängt vieles sehr stark davon ab wie Lehrer*innen und Schulleitungen sich für dieses Thema individuell einsetzen und somit für die Möglichkeit das digitale Medien im Schulalltag stattfinden, sorgen. Es kann aber auch nicht sein, dass Schüler*innen davon abhängig sind, wie stark Lehrer*innen oder Schulleitung digitalen Unterricht zulassen. Daher braucht es Konzepte und Strategien, allen Schülern*innen und Lehrern*innen die Möglichkeit zu geben, Medienkompetenz und digitalen Schulunterricht erfolgreich zu gestalten und umzusetzen.


An dieser Stelle muss man auch Lehrer*innen in Schutz nehmen und Unterstützen, denn es ist nicht richtig, die Digitalisierung einfach auf die Schultern der Lehrer*innen abzuwälzen. Lehrer*innen und Pädagogen*innen brauchen gute Konzepte, damit Medienkompetenz aufgebaut und digitaler Unterricht gestaltet werden kann. Auch hier ist das Schulwesen in seiner Gesamtheit gefragt, Lehrer*innen und Pädagogen*innen auf diesem Weg zu begleiten und Lösungsvorschläge bereit zu halten. Denn wenn es immer darum geht, Neues in Schulen umzusetzen dann müssen wir uns im Klaren sein, dass dafür auch Ressourcen sowie finanzielle Mittel benötigt werden.

Mit einer soliden Digitalisierung und fundierten Medienkompetenz wird es uns gelingen, auch in außergewöhnlichen Zeiten Schule zu machen.


Diese Punkte stellen ebenfalls sicher, dass unsere Schüler*innen in Deutschland insbesondere im globalen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen geraten, wenn es darum geht, in einem zukunftsfähigen digitalen Bildungssystem zu lernen.

Daher muss jetzt die erste Maßnahme sein, in einen ernsthaften, zielgerichteten Dialog zu gehen, um gemeinsam Lösungen und Wege zu finden und diese dann – in geeignetem Maße - auch umzusetzen. Dieses wird nur gelingen, wenn man aus allen Bereichen wie Schule, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und der IT - Wissensträger zusammenbringt und durch ein Expertengremium gemeinsam Lösungen erarbeitet. Der Bund und die Länder sollten dann die zielführende und kostenorientierte Umsetzung so praxisnah wie möglich unterstützen.

Denn “weitermachen wie bisher” ist, wie spätestens in der Corona-Krise deutlich wird, nicht mehr möglich!


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